Seit Wochen frage ich mich: Was macht unser Leben im Moment denn eigentlich so furchtbar anstrengend? Sind es die Versuche, dem Virus auszuweichen, sich fernzuhalten? Sind es die Medien, die es scheinbar nicht unterlassen können, uns mit immer neuen Schlagzeilen und zusammenhanglosen Zahlen anzufüllen? Sind es die immer neuen Verordnungen, die unser Leben ständig in einer neuen Weise einschränken? Hat all das wirklich Macht über uns?

 

Oder ist es nicht die Angst? Angst vor Krankheit und Tod, um uns selbst oder andere, geliebte Menschen? Oder Angst vor Armut durch Arbeitsverlust? Oder Angst vor einer wie auch immer gearteten Diktatur? Die meisten von uns werden wohl eine dieser Ängste in sich spüren können. Dennoch gehe ich einen Schritt weiter. Es ist nicht allein diese Angst. Es ist der Krieg, den wir zwischen uns täglich neu zulassen und entstehen lassen. Die Abgrenzung in Gruppen und Blasen und die Abwertung der jeweils anderen, die damit einher geht. Es ist das, was unser Zusammenleben anstrengend sein lässt.

 

Wir haben Angst – (fast) alle. Und das kann uns deutlich machen, dass wir alle Menschen sind, die die geschwisterliche Liebe der anderen brauchen, den gegenseitigen Respekt. Es ist nicht relevant, wovor der Mensch, der mir gegenübersteht Angst hat. Es hat keinen Sinn, ihm diese Angst ausreden zu wollen. Das kann nicht funktionieren, so funktioniert unsere Psyche nicht. Was funktioniert, was die menschliche Nähe zwischen uns wiederherstellen kann, ist liebevoller Respekt. Wahrzunehmen, dass da ein menschliches Wesen vor mir steht, das sich genauso fürchtet, wie ich selbst. Wirksam ist es, unser Herz zu öffnen für den Menschen, der vor uns steht, ihm/ihr zu sagen, ja ich spüre, dass du Angst hast, und ich respektiere dich, so wie du bist. Ich respektiere deine Meinung - auch wenn es nicht meine ist.

 

Lasst uns nicht abwarten, bis wir einen Bürgerkrieg zwischen uns entfacht haben. Diskussionen und Diskurse sind in unserer Demokratie enorm wichtig; und unsere Lage ist auch dadurch mitbedingt, dass diese Diskussionen nicht öffentlich geführt wurden. Unsere Medien haben hier bitterlich versagt und holen das Versäumte nun in ganz kleinen Schritten allmählich auf. - Okay, Diskussionen sind also wichtig, sehr wichtig. Dabei dürfen wir aber nie vergessen: Die Menschen, die uns mit der anderen Meinung gegenüberstehen, brauchen Anerkennung, Liebe und Respekt. Genauso wie du und ich.