In diesem Winter habe ich die Rauhnächte genutzt, um genau dieser Frage nachzugehen

"Wofür arbeiten?“

Zwei Bilder sind mir spontan eingefallen. Da gibt es dieses Schäfchen und den Satz „Ohne dich ist alles doof.“ Alles ist doof, wenn dieser eine Mensch nicht da ist. Na, ich finde ja, dieser eine Mensch, der wichtigste Mensch in deinem Leben – das bist du selbst. Was passiert, wenn du in deinem Leben nicht vorkommst? Was passiert, wenn dich ein anderer Mensch anspricht und plötzlich spürt: „Da drinnen - da ist gar niemand zu Hause!“ ?

Und noch ein anderes Bild habe ich vor Augen – den Gegenentwurf sozusagen: Menschen verlassen das Hamsterrad des Höher-Schneller-Weiter und er ständigen Überforderung und beginnen sich zu fragen, was sie sich von ihrem Leben noch wünschen. Oder aktiv ausgedrückt, was sie in ihren Leben noch realisieren wollen. Es gibt da diese eine sehr wirksame Meditationsfrage: „Wenn du erfährst, dass du noch drei Monate zu leben hast, was würdest du dann tun?“ Es lohnt sich, sich in diese Frage einzufühlen - auch und gerade weil es heute wieder so offen gefordert wird, mehr und mehr zu arbeiten - mehr und mehr Leistung zu bringen.

Mein Bild, mein Gegenentwurf: Menschen nutzen ihre Chance, ergreifen ihr Potential. Ich gehe davon aus, dass kein Mensch komplett ohne Arbeit glücklich wird - oder sagen wir mal seeehr wenige Menschen. Aber sich die Freiheit zu nehmen, um in Ruhe festzustellen, was deine Aufgabe im Leben ist, das ist ja auch etwas ganz anderes. Sich Zeit, Ruhe und Muse zu nehmen, deine eigenen Bedürfnisse und Zukunftsträume zu erforschen und auszuprobieren, wie daraus deine eigene Wirklichkeit werden kann.

Wenn ich nämlich so tue, als ob ich zielstrebig meinen Weg gehe, dann raubt mir dieses So-tun-als-ob, dieses Fassade-aufrecht-halten enorm viel Energie. Energie, die mir dann weder im Alltag zur Verfügung steht noch, um meinen eigenen Weg zu finden. Da ist es auch ganz egal, ob ich 16, 36, oder 56 Jahre alt bin.

Stell’ dir einmal diese Situation vor: Du sprichst mit deinem pubertierenden Kind, deinem Patenkind, deinen Enkel, deiner Enkelin, einem Schüler, einer Schülerin in deiner Schule – kurzum mit einem jungen Menschen, für den du Sorge trägst, der dir am Herzen liegt – und du sagst ihm: „Es ist total in Ordnung, wenn du jetzt gehst und diesen Ausbildungsabschluss nicht schaffst. Nur bitte achte darauf, deinen eigenen Weg nicht aus den Augen zu verlieren. Und wenn du jemanden brauchst, zum Reden oder um gemeinsam eine Idee zu entwickeln, dann bin ich gern für dich da.“ Wie groß wird die Erleichterung bei diesem jungen Menschen sein. Wie frei werden Kopf und Herz für neue Wege.

Irgendwo habe ich mal einen Satz gelesen oder gehört. Und auch wenn ich euch nun die Quelle dieser Weisheit leider nicht mehr verraten kann, so hat er mich, als er mir begegnete, tief im Herz getroffen und glücklich gemacht: Lebe dein Leben – nicht das Leben, das wer auch immer für dich vorgesehen hat. Diesen Satz lebe ich. Und das ist es, was ich weitergeben will, an jeden Mensch, der mir begegnet – und ganz besonders in meiner Arbeit. Das ist meine Mission, gewachsen aus der Vision, die ich für ein menschliches Leben im Herzen trage.

Mit den Jahren ist mir auch klar geworden, dass ich deshalb gern immer wieder mit gleichen Formen, Sätzen, Meditationen arbeite. Die immer gleichen Formen führen nach innen. Menschen, die den Kick im Neuen suchen, wenden sich ab. Menschen jedoch, die nach innen schauen wollen, um ihr Leben zu verstehen und zu gestalten, fühlen sich gestärkt für ihren Weg. Es sind diese Menschen, die bereit sind, Herzöffnung zu wagen - Zugang zu den eigenen Wünschen - und die Kraft zu spüren, genau an diesem Punkt zu beginnen.

Menschen auf diesem Weg zu unterstützen - das begeistert mich und dafür tue ich meine Arbeit - von Herzen gern.